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FG Geothermie > Wussten Sie schon...? > Gefahren der Atomkraft

Die Lüge vom bezahlbaren Atomstrom

Sauber, sicher und kosteneffizient – lange Zeit galt die Atomkraft als Lösung aller Energieprobleme. Die Realität straft allerdings die schönen Versprechungen Lügen: Während der Mythos vom billigen Atomstrom längst widerlegt ist, verdienten und verdienen sich die großen Stromkonzerne durch Subventionen von mehreren 100 Milliarden Euro eine goldene Nase. Wie Sie dem nachfolgenden Text entnehmen können, ist das Ende der Fahnenstange damit aber noch lange nicht erreicht. Denn obwohl die Energie aus Atomkraft lange als umweltfreundlich und sicher angepriesen wurde, birgt sie zudem unkalkulierbare Risiken für Mensch und Natur. Radioaktive Strahlung zerstört organisches Gewebe und kann Krebs auslösen. Mittlerweile wissen wir, Atomkraft war schon immer gefährlich. Eine Kernschmelze könnte sich überall und jederzeit wieder ereignen und der hochgiftige Müll, wie das Plutonium-239 mit einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren, bedeutet nach wie vor ein ungelöstes Problem. Die einzige Sicherheit, die uns Atomkraftwerke geben ist die, dass es bis zum nächsten GAU nur eine Frage der Zeit ist. 

Wie wird Energie durch Kernspaltung gewonnen?

Atomkraft (alternativ: Kernenergie) wird gewonnen durch den Prozess der Kernspaltung, bei welchem spaltbare Materialien, im Regelfall Uran- oder Plutoniumisotope, mit Neutronen beschossen werden. Die Spaltmaterialien absorbieren das Neutron und zerfallen in zwei leichtere Kerne, wobei zwei weitere Neutronen freigesetzt werden, was eine Kettenreaktion auslöst. Bei diesem Prozess wird thermische Energie freigesetzt und Wasser erhitzt. Der dabei entstehende Wasserdampf wird mit Hilfe von Dampfturbinen in elektrische Energie umgewandelt. Um eine stabile Kettenreaktion zu gewährleisten, werden sogenannte Moderatoren (z.B. Wasser) eingesetzt. Dieser Einsatz kann die Reaktion beschleunigen, abbremsen oder ganz zum Stillstand bringen.

Ein Atomkraftwerk ist eine strahlende Zeitbombe

Obwohl das Verfahren im Grundsatz recht simpel ist, ist seine Beherrschung durchaus schwierig. Hat eine Kernspaltung erst einmal eingesetzt, kann die dadurch entstehende Kettenreaktion nicht mehr ohne weiteres gestoppt werden. 

Ein Kühlkreislauf muss auch nach der Abschaltung des Reaktors stetig Wärme abführen. Kann das nicht gewährleistet werden, kommt es durch die massive Hitzeentwicklung zur Oxidation der Brennstäbe. Die dabei gebildeten Gase bauen im Behälter immer weiter Druck auf, bis dieser schließlich von innen heraus explodiert und eine Kernschmelze eintritt. Dabei kann es leicht zu Temperaturen von bis zu 2.000°C oder mehr kommen. Die dabei entstandenen radioaktiven Schmelzklumpen sind aufgrund der Strahlung teilweise so tödlich, dass sie anzusehen den sofortigen Tod bedeuten würde. 

Das ist keineswegs ein hypothetisches Szenario; Die Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima entsprachen diesem Tatbestand. 

Das beweist: Die Beherrschbarkeit und Sicherheit einer derartigen Technologie war lange Zeit eine der großen Lügen von Befürwortern der Kernkraft. Das Kraftwerk 

Luftbilder über Fukushima
Luftbilder über Fukushima © dpa

Fukushima Daiichi galt bis zu seinem Unfall ebenfalls als sicher. Zudem gilt Japan, ähnlich wie Deutschland, als ein Hochtechnologie-Land. Tatsächlich sprechen sich mittlerweile weltweit vermehrt Wissenschaftler gegen diese Art der Stromerzeugung aus, da das Risiko in keiner Relation zum Nutzen steht. Die Gefahr einer Kernschmelze ist weit größer als man lange Zeit angenommen hat; Statistisch kann es in Europa alle 50 Jahre zu einer derartigen Katastrophe kommen. Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Chemie kann ein derartiges Ereignis weltweit sogar alle 10 bis 20 Jahre auftreten und damit 200-mal häufiger als bisher angenommen.

Nukleare Unfälle drohen auch in Deutschland

Doch nicht nur von einer Kernschmelze geht Gefahr aus. Bereits bei geringeren Störfällen oder Unfällen kann Radioaktivität freigesetzt werden und zur Kontaminierung führen. Diese Art von „Zwischenfällen“ tritt leider sehr häufig auf. Allein in Deutschland kam es zu folgender Reihe von Ereignissen, an deren Ende eine Kernschmelze gestanden hätte.

04.05.1986: Im AKW Hamm-Uentrop kam es zu einem Stau in einem Zuleitungsrohr, wodurch radioaktiv belastetes Helium ausgetreten ist. Die daraus resultierende Strahlenbelastung stieg in der Umgebung auf einen viermal höheren Wert an, als er nach Tschernobyl gemessen wurde. Eine Untersuchung über die Zunahme von Krebs- oder Krankheitsfällen wurde nicht durchgeführt.

16.12.1987: Im Kraftwerk Biblis A kam es zu einem der schwersten Störfälle, die jemals in einem deutschen AKW dokumentiert wurden. Nach einer nicht geplanten viertägigen Abschaltung des Reaktors sollte der Reaktor wieder normal in Betrieb genommen werden. Drei Tage lang wurde übersehen, dass ein Ventil bei der Kühlmittelanlage nicht ordnungsgemäß schloss. Über 100 Liter radioaktives Kühlwasser traten aus. Auslaufendes Kühlwassers kann zu einer Kernschmelze führen.

14.12.2001: Entgegen der ursprünglichen Beteuerung des Betreibers, dass es sich bei der Störung lediglich um eine geplatzte Wasserrohrleitung gehandelt habe, stellte im AKW Brunsbüttel eine Inspektion zwei Monate später als Ursache eine Wasserstoffexplosion fest. Nach Einschätzung des Umweltinstituts München war ein Kühlmittelverlust wahrscheinlich; eine Kernschmelze war also denkbar.

28.06.2007: Im AKW Krümmel kam es zu einem Transformatorbrand, welcher erst nach etlichen Stunden gelöscht werden konnte. Laut Vattenfall hatte dieser Brand keine Auswirkungen auf den eigentlichen Betrieb im Reaktor. Allerdings kam es durch die unplanmäßige Öffnung von Sicherheitsventilen und dem unplanmäßigen Ausfall mehrere Reaktorspeisewasserpumpen zu schnellen Druck- und Füllstandabfällen im Reaktordruckbehälter.

04.02.2008: Bei einem weiteren Vorfall im AKW Krümmel kam es zu einem Schwelbrand in einer der Lüftungsanlagen. Dieser konnte schnell von der Feuerwehr gelöscht werden. Nach diesem Ereignis äußerten Umweltschutzorganisationen erneut Zweifel an der Sicherheit des Kraftwerks.

04.07.2009: Abermals kam es im AKW Krümmel zu einem Störfall, bei dem eine Reaktorschnellabschaltung durchgeführt werden musste. Ursache waren Probleme mit Maschinentransformatoren. Darüber hinaus gab es aufgrund einer Wasserreaktorreinigung Schwierigkeiten mit der Kühlung. Wie sich herausstellte, gab es wohl auch an einigen der Brennstäben Defekte.

Seit 1956 kam es weltweit zu einer Vielzahl an Unfällen und hunderten von Störfällen. Zu den schlimmsten ihrer Art gehören die Unfälle von Tschernobyl (Sowjetunion), Fukushima (Japan) und Three Mile Island (USA). 

Bedenklich ist: Viele Unfälle sind letztendlich auch auf eine Ermüdung des Materials zurückzuführen. Das bedeutet: Atomkraftwerke werden von Jahr zu Jahr nicht nur älter, sondern auch gefährlicher. Hinzu kommt der Umstand, dass die Dunkelziffer an Störfällen noch wesentlich höher ist. Bemerkt werden technische Probleme oft erst dann, wenn es zu sichtbaren negativen Auswirkungen kommt. Man sollte sich die Frage stellen, warum die vier großen Energiekonzerne Vattenfall, E.ON, RWE und EnBW trotz bestehender Risiken so lange auf die Energieerzeugung durch Kernkraft gesetzt haben.

Das Problem der Endlagerung ist kaum lösbar

Zu den größten Problemen der Atomkraft gehört zweifelsfrei die Beseitigung radioaktiver Schwermetalle und bestrahlter Abfälle, welche während der Kernspaltung entstehen. Bis zum Jahr 2012 sind allein in Deutschland 14.683 Tonnen an bestrahlten Brennelementen angefallen. Das entspricht vom Gewicht her der Menge von 53 A380-Airbus Flugzeugen. Bis Ende 2010 waren es weltweit sogar ca. 300.000 Tonnen hochradioaktiver Abfall.

Wie sieht diese Gefahr konkret aus?

Die Aktivität bzw. Strahlkraft von Radionukliden kann je nach Element unterschiedlich ausfallen. Während die Halbwertszeit bei Stoffen wie Cäsium-137 lediglich bei 30 Jahren liegt, brauchen andere wie Neptunium-237 mit 2,1 Millionen Jahren schon wesentlich länger. Zu den Spitzenreitern gehört das Uran-235 mit einer Halbwertszeit von ca. 700 Millionen Jahren. Wenn man sich überlegt, dass das Verschwinden der Dinosaurier gerade einmal 65 Millionen Jahre her ist, wird einem ganz klar vor Augen geführt, wie kurzsichtig wir bis jetzt gehandelt haben. Zu den gefährlichsten Stoffen überhaupt gehört dabei das Plutonium-239 mit einer Halbwertszeit von ca. 24.000 Jahren. Laut BUND können bereits wenige Millionstel Gramm sofort tödliche Folgen haben, wenige Milliardstel Gramm längerfristig schaden.

Durch den schädlichen Charakter dieser Stoffe müssen sie sicher von der Umwelt abgeschottet gelagert werden. Bekannte Zwischenlager wie Gorleben sind nie als dauerhafte Lösung gedacht gewesen. 

Atommülllager Asse
Atommülllager Asse © dpa

Im Jahr 2014 gibt es weltweit noch kein einziges Endlager für diese Art hochradioaktiver Stoffe. Wie sollte es auch? Schließlich müssen diese Stoffe für Millionen von Jahren sicher gelagert werden. Ein Diskussionspapier der US Atomic Energy Commission beschreibt die Anforderungen an ein solches Lager folgendermaßen:

  • 3.000 Meter Mindesttiefe für das Lager
  • Lage in einer unbewohnten Region
  • Keine hohen Erhebungen in der Nähe
  • Keine Verbindungen zwischen den unteren Gesteinsschichten und dem Wassersystem an der Oberfläche
  • Keine komplexen geologischen Strukturen (Falten, Spalten)
  • Keine Erdbebengefahr
  • Gewöhnliches Gestein, das wirtschaftlich bedeutungslos ist

Vergleicht man diese Anforderungen nun mit Lagern wie Gorleben und der Asse (welche von der Politik auch als potentielles Endlager diskutiert wurden), kann man nur zu einem desaströsen Ergebnis kommen. Tatsächlich gibt es in Deutschland praktisch keinen Ort, welcher sämtliche Kriterien ausreichend berücksichtigt. Auch eine weltweite Suche erweist sich als immense Herausforderung für zukünftige Generationen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie man denn gedenkt, radioaktiven Abfall für mehrere Tausend oder gar Millionen Jahre sicher zu lagern? Es ist praktisch kaum denkbar, dass man hierfür eine Antwort finden wird.

Doch nicht nur in Atomkraftwerken entsteht radioaktiver Müll. Der mengenmäßig größte Anteil entsteht im Uranabbau: Laut BUND werden hier 80% der Abfälle verursacht. Gelagert werden sie in der Nähe der jeweiligen Uranbergwerke.

200 Milliarden Euro an Subventionen – und die Kosten steigen weiter

Die Kosten von Kernkraftwerken lassen sich nur schwer genau beziffern. Fest steht, dass die allgemeinen Betriebskosten nur einen Teil des Gesamtbetrages ausmachen. Hinzu kommen Kosten für den sicheren Transport und die Einlagerung der Abfälle. Für die Bevölkerung entsteht eine zusätzliche finanzielle Belastung durch die hohen Subventionen, welche in die Produktion von Strom aus Kernenergie fließen. Laut Greenpeace beträgt dieser Wert mindestens 200 Milliarden Euro und soll bis zum endgültigen Ausstieg im Jahr 2022 um weitere 100 Milliarden Euro ansteigen. 

Die Höhe der Gewinne eines Atomkraftwerks lässt sich nur näherungsweise bestimmen, da sich die Kraftwerksbetreiber hierzu bedeckt halten. Experten von Greenpeace rechnen allerdings mit einem Gewinn von ca. 1 Million Euro/Tag. Sämtliche deutschen Atommeiler zusammen würden pro Jahr einen Gewinn von etwa 5,5 Milliarden Euro generieren. Auch nach einer eher konservativen Rechnung des Freiburger Ökoinstituts würde immer noch ein Gewinn von 6,8 Milliarden Euro über den Zeitraum der letzten vier Jahre abfallen.

Da in den nächsten 10 Jahren die letzten verbliebenen Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollen, fallen in Zukunft auch die Kosten für den Rückbau der Anlagen an. Zu diesem Zweck haben die vier großen Kraftwerksbetreiber Vattenfall, E.ON, RWE und EnBW Rückstellungen in Höhe von 36 Milliarden Euro gebildet. Diese Summe ist allerdings mehr als knapp bemessen und wird aller Wahrscheinlichkeit nach nur einen Bruchteil der zu erwartenden Kosten abdecken. Unter diesen Umständen ist es fast verständlich, dass die Kraftwerksbetreiber den gebildeten Fonds in die Verantwortung des Bundes überführen wollen. Diese Stiftung wäre nicht nur für den Rückbau, sondern auch für die Entsorgung der Abfälle wie das hochgiftige Plutonium-239 verantwortlich. 

Ganz plötzlich merken die Energiekonzerne also, dass die Atomkraft bei weitem nicht so rentabel ist, wie sie es Jahrzehnte lang gepredigt haben. Stattdessen wollen sie die Gründung einer Art „Bad Bank“ für Atomkraft unter staatlicher Obhut, durch die sie die Kosten auf die Allgemeinheit abwälzen.

Viel zu lange falsche Prioritäten in der Forschungsförderung

Der Bund stellt über das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Fördergelder im Bereich der Energieforschung zur Verfügung. Die nachfolgende Statistik zeigt die Verteilung.

Bundesministerium für Bildung und Forschung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Bundesministerium für Bildung und Forschung, Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft

In den Jahren 2011 und 2012 wurden anteilig mehr Fördergelder in die Erforschung und Entwicklung von Erneuerbaren Energien investiert als in die der Nukleartechnologien. Seit 1991 wurde mit ca. 40,6 Mrd. Euro wesentlich mehr Geld in die Forschung für Nukleartechnologien investiert als in die Technologie für die Erneuerbaren. Viel zu lange hat man es versäumt, die Weichen zugunsten sauberer und nachhaltiger Formen der Energieerzeugung zu stellen. Die jetzige Förderung beweist allerdings auch, dass die Erneuerbaren Energien in ihrer Bedeutung signifikant gestiegen sind. 

Fazit:

Die Atomkraft erlaubt, genau wie die Geothermie, eine CO2-freie Energieerzeugung und Grundlastfähigkeit. Ein Atomkraftwerk scheitert allerdings grandios, wenn es um die Entsorgung und Lagerung des entstandenen Abfalls geht. Anders die Geothermie, welche keinerlei Abfallprodukte hinterlässt. Durch die Nutzung von natürlichen Wasserkreisläufen ist sie zudem unbegrenzt verfügbar, während die Reserven an Uran und fossilen Energieträgern in spätestens 70 Jahren aufgebraucht sein werden.

Wir müssen uns ehrlich fragen, ob das bestehende Risiko gerechtfertigt ist in Anbetracht der Tatsache, dass die Atomkraft gerade einmal 4% der weltweiten Stromerzeugung ausmacht.